Ratgeber
Google Ads richtet Ziel-CPA und Ziel-ROAS neu aus: Was seit dem 17. August 2026 gilt
Seit dem 17. August 2026 richtet Google Ads budgetlimitierte Kampagnen mit Ziel-CPA oder Ziel-ROAS konsequent am hinterlegten Zielwert aus, nicht mehr am oft besseren Ist-Wert. Eine Kampagne, die real 40 € pro Conversion zahlt, während im Konto 65 € Ziel-CPA stehen, darf künftig bis an diese 65 € heranlaufen — gut 60 % Spielraum. Google ändert dabei weder Zielwerte noch Budgets automatisch: Prüfen und anpassen müssen Werbetreibende selbst.
Von Dominik Reuter · Stand:
Was hat Google am 17. August 2026 geändert?
Seit dem 17. August 2026 optimiert Smart Bidding budgetlimitierte Kampagnen mit zielbasierten Gebotsstrategien konsequent auf den hinterlegten Zielwert. Bisher bot das System bei knappem Budget konservativer, um das Budget über den Tag zu strecken — viele Kampagnen erreichten dadurch einen deutlich besseren CPA oder ROAS als vorgegeben. Dieses stille Übererfüllen entfällt.
Angekündigt hat Google die Umstellung am 15. Juni 2026 über Ginny Marvin, Ads Product Liaison bei Google; der Rollout läuft gestaffelt über mehrere Wochen. Die Logik dahinter beschreibt Google als klarere Arbeitsteilung der Stellhebel: Das Budget steuert die Ausgaben, der Zielwert die Effizienz. In der offiziellen Ankündigung nennt Google selbst das Beispiel einer Kampagne mit 10 $ Ziel-CPA und 5 $ tatsächlichem CPA — sie wird künftig näher an den 10 $ laufen.
Welche Kampagnen und Gebotsstrategien sind betroffen?
Betroffen sind Kampagnen, die zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllen: Sie sind durch das Budget eingeschränkt (Status „Eingeschränkt durch Budget“) und nutzen Ziel-CPA (Target CPA) oder Ziel-ROAS (Target Return on Ad Spend) — bei Demand-Gen-Kampagnen zusätzlich Ziel-CPC. Kampagnen ohne Budgetbegrenzung bieten wie bisher.
Die Umstellung gilt für Suchkampagnen, Shopping, Performance Max, Demand Gen und Reisekampagnen. Display- und Hotelkampagnen arbeiten bereits nach dieser Logik, App- und Videokampagnen sind ausgenommen.
Warum kann der CPA jetzt steigen, obwohl niemand etwas geändert hat?
Weil in vielen Konten Zielwerte stehen, die mit der tatsächlichen Leistung längst nichts mehr zu tun haben. Ein typisches Beispiel: Eine Kampagne erzielt real einen CPA von 40 €, im Konto sind aber 65 € Ziel-CPA hinterlegt — gut 60 % Spielraum nach oben, den Smart Bidding bisher schlicht nicht genutzt hat. Genau diesen Spielraum darf das System jetzt ausschöpfen.
Beim Ziel-ROAS wirkt derselbe Mechanismus in die Gegenrichtung: Erzielt eine Kampagne aktuell 850 % ROAS bei hinterlegten 600 % Ziel-ROAS, darf die Effizienz künftig bis auf die 600 % absinken. In beiden Fällen kann das zusätzliches Conversion-Volumen bringen — die entscheidende Frage ist, ob Sie dieses Volumen zu diesem Preis überhaupt einkaufen wollen.
Wie finden Sie betroffene Kampagnen im eigenen Konto?
Der schnellste Weg führt über drei Schritte: In der Kampagnenübersicht nach dem Status „Eingeschränkt durch Budget“ filtern, dann für diese Kampagnen die tatsächlichen Werte („Kosten/Conv.“ beziehungsweise „Conv.-Wert/Kosten“) der letzten 30 bis 90 Tage neben die hinterlegten Zielwerte legen. Überall dort, wo der Ist-Wert deutlich besser ist als das Ziel, greift die Umstellung.
Für den dritten Schritt stellt Google seit dem 6. Juli 2026 ein Tool zur Anpassung von Gebotszielen bereit — erreichbar über das Benachrichtigungsbanner im Konto oder über die Kampagnenseite unter Einstellungen → Gebote → „Kampagnen überprüfen“. Es zeigt pro Kampagne die jüngste Leistung, das aktuelle Ziel und einen daraus berechneten Vorschlag. Zwei Einschränkungen: Kampagnen mit weniger als rund sieben Conversions erhalten mangels Daten keine Empfehlung, und angewendet wird ein Vorschlag erst, wenn Sie ihn aktiv bestätigen.
Welcher Zielwert ist jetzt der richtige?
Die Umstellung beantwortet diese Frage indirekt selbst: Ein Zielwert sollte abbilden, was eine Conversion dem Unternehmen tatsächlich wert ist — nicht, was Google ausgeben darf. Solange das System Zielwerte regelmäßig übererfüllte, fiel ein zu locker gesetztes Ziel nicht auf; jetzt wird es zur echten Steuerungsgröße.
Für die Anpassung selbst rät etwa Optmyzr zu mehreren kleinen Schritten statt einer großen Korrektur, weil jede deutliche Zieländerung eine neue Lernphase auslösen kann. Verloren geht durch die Umstellung ein Kniff, den erfahrene Kontoverwalter bewusst eingesetzt haben: ein absichtlich lockeres Ziel, das Smart Bidding Raum zum Explorieren ließ. Diese Kritik haben Praktiker nach der Ankündigung deutlich geäußert, Google hat daraufhin klargestellt, dass sich die Ausgaben durch die Umstellung nicht ändern — nur die Effizienz orientiert sich künftig am Ziel.
Was sollten Sie nach der Umstellung beobachten?
Geben Sie angepassten Kampagnen ein bis zwei volle Conversion-Zyklen, bevor Sie die Leistung bewerten — bei langen Entscheidungswegen können das vier bis sechs Wochen sein. Wer nach drei Tagen gegensteuert, bewertet Rauschen. Von Datenausschlüssen oder Gebotslimits als Reaktion auf die Umstellung rät Google ausdrücklich ab, weil beides zusätzliche Schwankungen erzeugt.
Zwei Punkte gehören danach dauerhaft auf die Liste: Teilen sich mehrere Kampagnen ein Ziel und ein knappes Budget, sind ein gemeinsames Budget oder eine Portfolio-Gebotsstrategie stabiler als Einzelkorrekturen. Und ein einmal angepasster Zielwert ist eine Momentaufnahme — steigende Klickpreise oder Saisoneffekte verschieben die Lage wieder, deshalb gehören Zielwerte ab jetzt in einen festen Prüfrhythmus, etwa einmal pro Quartal.
Die Grundvoraussetzung für all das ist eine verlässliche Messung: Ein Zielwert auf Basis falsch gezählter Conversions steuert in die falsche Richtung, egal wie sorgfältig er gesetzt ist. Wie Sie Ihre Zählung prüfen, zeigt der Ratgeber Google Ads erfasst keine Conversions? Die sieben häufigsten Ursachen. Und wenn Sie die Zielwert-Prüfung nicht selbst durchführen wollen: In der Google-Ads-Betreuung durch convecom gehört genau diese Kontrolle zum laufenden Handwerk.
Häufige Fragen
Ändert Google meine Zielwerte oder Budgets automatisch?
Nein. Google stellt seit dem 6. Juli 2026 ein Tool zur Anpassung von Gebotszielen bereit, das die tatsächliche Leistung mit dem hinterlegten Ziel vergleicht und einen Wert vorschlägt — angewendet wird er aber erst, wenn Sie ihn bestätigen. Wer nichts tut, behält seine bisherigen Zielwerte, und genau darin liegt das Risiko: Das System darf sie jetzt voll ausschöpfen.
Steigen meine Google-Ads-Ausgaben durch die Umstellung?
Die Ausgaben selbst nicht — das Budget bleibt die Obergrenze, und laut Google führt die Umstellung nicht zu Ausgabenänderungen. Verändern kann sich die Effizienz: Der tatsächliche CPA darf bis zum hinterlegten Ziel-CPA steigen beziehungsweise der tatsächliche ROAS bis zum Ziel-ROAS sinken. Für dasselbe Budget gibt es dann unter Umständen mehr Conversions, aber zu einem höheren Stückpreis.
Betrifft die Änderung auch Kampagnen ohne Budgetbegrenzung?
Nein, die Umstellung gilt nur für Kampagnen mit dem Status 'Eingeschränkt durch Budget'. Dieser Status ist allerdings nicht statisch: Steigende Klickpreise, Saisonspitzen oder eine Budgetkürzung können eine Kampagne jederzeit in die Budgetbegrenzung schieben. Zielwerte sollten deshalb in jedem Konto der Realität entsprechen, nicht nur in aktuell limitierten Kampagnen.
Woher weiß ich, ob eine Kampagne budgetlimitiert ist?
In der Kampagnenübersicht zeigt die Statusspalte 'Eingeschränkt durch Budget' an, wenn das Budget die Auslieferung begrenzt. Zusätzlich listet das Tool zur Anpassung von Gebotszielen betroffene Kampagnen direkt auf: erreichbar über das Benachrichtigungsbanner im Konto oder über die Kampagnenseite unter Einstellungen → Gebote → 'Kampagnen überprüfen'. Für die Einschätzung lohnt ein Blick auf die letzten zwölf Monate, nicht nur auf die aktuelle Woche.
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