Ratgeber
PageSpeed Insights erklärt: Core Web Vitals, die fünf Kategorien und die neue Prüfung „Agentisches Browsing“
PageSpeed Insights ist Googles kostenloses Werkzeug, um die technische Qualität einer Webseite zu prüfen. Es kombiniert echte Nutzerdaten aus dem Chrome User Experience Report mit einer Labormessung durch Lighthouse und bewertet fünf Bereiche: Leistung, Barrierefreiheit, Best Practices, SEO und — seit 2026 neu — Agentisches Browsing. Diese neue Kategorie prüft, ob KI-Agenten eine Website lesen und bedienen können, ausgedrückt als Verhältnis bestandener Prüfungen wie 3/3. Ein Rankingfaktor ist sie nicht; die Core Web Vitals aus den Felddaten sind es dagegen schon.
Von Dominik Reuter · Stand:
Was misst PageSpeed Insights?
PageSpeed Insights (PSI) analysiert eine einzelne URL auf zwei Arten: mit Felddaten und mit Labordaten. Die Felddaten stammen aus dem Chrome User Experience Report (CrUX) und zeigen, was echte Besucher in den letzten 28 Tagen auf ihren Geräten erlebt haben. Die Labordaten erzeugt Lighthouse in einer simulierten Umgebung — ein gedrosseltes Mittelklasse-Smartphone oder ein Desktop-Rechner unter festen Bedingungen — und daraus entsteht der bekannte Wert von 0 bis 100, bei dem 90 und mehr als gut gelten.
Beide Sichten ergänzen sich: Die Felddaten sagen, wie schnell die Seite in der Realität ist, die Labordaten sagen, warum. Deshalb hängt am Laborlauf auch die Liste mit Empfehlungen — von zu großen Bildern über blockierende Skripte bis zu fehlenden Cache-Regeln.
Warum steht bei „Leistung auf der Nutzerseite“ manchmal „Keine Daten“?
Weil der Chrome User Experience Report eine Seite nur aufnimmt, wenn genug echte Chrome-Nutzer sie im Betrachtungszeitraum aufgerufen haben. Junge Websites, Seiten mit wenig Besuchern oder einzelne Unterseiten fallen unter diese Schwelle; PSI versucht dann, auf Daten der gesamten Domain auszuweichen, und meldet andernfalls „Keine Daten“. Das ist kein Fehler der Website, sondern eine Frage der Stichprobe — der Laborbericht darunter bleibt vollständig nutzbar.

Der Bericht oben zeigt genau diesen Fall: unsere Domain unterhalb der Stichprobenschwelle, dafür mit vollen Laborwerten in allen vier klassischen Kategorien und 3/3 in der neuen fünften.
Welche Core Web Vitals zählen — und welche Werte sind gut?
Die Core Web Vitals sind drei Kennzahlen für die Nutzererfahrung, die Google aus den Felddaten berechnet: Largest Contentful Paint (LCP) für die Ladezeit des größten sichtbaren Elements, Interaction to Next Paint (INP) für die Reaktionszeit auf Eingaben und Cumulative Layout Shift (CLS) für die visuelle Stabilität. Als gut gelten laut web.dev ein LCP bis 2,5 Sekunden, ein INP bis 200 Millisekunden und ein CLS bis 0,1 — jeweils am 75. Perzentil aller Seitenaufrufe, getrennt nach Mobil und Desktop.
Das 75. Perzentil ist der entscheidende Unterschied zur Labormessung: Es genügt nicht, dass die Seite auf einem schnellen Rechner im Büro flott lädt. Drei von vier Besuchern müssen die Schwellenwerte erreichen, auch auf älteren Telefonen im Mobilfunknetz. Genau diese Felddaten nutzt Google als Rankingsignal — nicht den Laborwert.
Was ist „Agentisches Browsing“ in PageSpeed Insights?
Agentisches Browsing ist die fünfte Kategorie in PageSpeed Insights und prüft, ob KI-Agenten eine Website maschinell lesen und bedienen können — also Software, die im Auftrag eines Nutzers Seiten aufruft, Formulare ausfüllt, Termine bucht oder Produkte vergleicht. Google hat die Kategorie mit Lighthouse 13.3 im Mai 2026 eingeführt, im Juni als Teil eines Werkzeugkastens für „agent-ready“ Websites vorgestellt und ab Chrome 150 sowie in PageSpeed Insights standardmäßig aktiviert.
Anders als die übrigen Kategorien liefert sie keinen Wert von 0 bis 100, sondern das Verhältnis bestandener Prüfungen — etwa 3/3. Google begründet das mit dem Reifegrad: Die Standards für das „agentische Web“ entstehen gerade erst, deshalb sollen die Prüfungen Daten sammeln und konkrete Hinweise geben, keine Rangfolge bilden. Die Kategorie ist ausdrücklich als „in Entwicklung“ gekennzeichnet und kein Rankingfaktor.
Was prüft die Kategorie konkret?
Drei Prüfungen laufen in PageSpeed Insights standardmäßig, eine vierte nur für Websites, die am Origin Trial teilnehmen.
Die erste gilt dem Accessibility-Tree, der vereinfachten Seitenstruktur, die Screenreader nutzen — und die KI-Agenten deutlich effizienter auswerten als rohes HTML oder Bildschirmfotos. Bestanden ist sie, wenn interaktive Elemente wie Buttons, Links und Formularfelder einen programmatischen Namen, eine gültige Rolle und saubere Eltern-Kind-Beziehungen haben. Ein Icon-Button ohne Beschriftung fällt hier ebenso durch wie ein Formularfeld ohne verknüpftes Label.
Die zweite misst die Layoutstabilität über den Cumulative Layout Shift. Die Begründung ist praktisch: Ein Agent, der die Seite fotografiert und dann klickt, trifft daneben, wenn sich Elemente nach dem Laden noch verschieben. Der Schwellenwert entspricht dem der Core Web Vitals.
Die dritte sucht im Stammverzeichnis nach einer llms.txt — einer Markdown-Datei, die den Zweck der Website und ihre wichtigsten Seiten für KI-Systeme zusammenfasst. Geprüft wird nicht nur die Existenz, sondern ob die Datei eine H1-Überschrift, eine ausreichende Länge und Links enthält. Ein Beispiel ist die llms.txt von convecom.
Die vierte Prüfung betrifft WebMCP, einen vorgeschlagenen Standard, mit dem eine Website ihre Funktionen als strukturierte Werkzeuge anmeldet — eine Terminbuchung, eine Produktsuche, ein Bestellformular. Sie ist experimentell, setzt die Registrierung im Origin Trial voraus und zählt in PageSpeed Insights deshalb nicht mit. Für die meisten Unternehmenswebsites ist sie derzeit ohne Belang.
Was bedeutet das für Ihre Website?
Zunächst: kein neues Projekt. Die Prüfungen belohnen genau die Arbeit, die eine gut gebaute Website ohnehin leistet — semantisches HTML, beschriftete Bedienelemente, feste Maße für Bilder und Einbettungen, keine nachträglich eingeschobenen Banner. Wer Barrierefreiheit ernst nimmt, besteht die ersten beiden Prüfungen nebenbei; die llms.txt ist in wenigen Minuten geschrieben.
Die strategische Botschaft steckt in der Begründung, die Google für die Kategorie liefert: KI-Systeme entwickeln sich vom Textgenerator zum Handelnden, der Websites im Auftrag von Nutzern bedient. Ob dieser Wandel schnell oder langsam kommt, ist offen — dass Google dafür bereits ein Prüfwerkzeug ausliefert, ist ein deutliches Signal. Und die Verbindung zur Sichtbarkeit in KI-Antworten liegt nahe: Eine Seite, die eine Maschine sauber lesen kann, ist auch die Seite, die ein KI-System zitieren kann. Was dafür über die Technik hinaus nötig ist, erklärt der Ratgeber Was ist GEO?.
Eine Einordnung gehört dazu: Die llms.txt beeinflusst laut Google weder Rankings noch AI Overviews, und viele KI-Systeme werten sie bislang nicht aus. Sie bestehen die Prüfung damit — mehr nicht. Der eigentliche Wert liegt in den ersten beiden Prüfungen, weil sie dieselben Eigenschaften messen, die für Menschen mit Einschränkungen und für die Core Web Vitals zählen.
Wenn Ihre Website in diesem Bericht schlecht abschneidet, ist das selten mit Feintuning zu lösen — meist steckt ein schwerer Baukasten, ein überladenes Theme oder eine ungebremste Skriptsammlung dahinter. Der Bericht oben stammt von einer Website, die ohne Baukasten als statisches HTML gebaut ist; nach demselben Prinzip entstehen die Websites zum Festpreis von convecom. Der kostenlose Sichtbarkeitscheck unten sagt Ihnen, wo Ihre Seite heute steht.
Häufige Fragen
Ist der PageSpeed-Wert ein Rankingfaktor?
Der Leistungswert von 0 bis 100 selbst nicht — er ist eine Labormessung. Als Rankingsignal nutzt Google die Core Web Vitals aus echten Nutzerdaten (Felddaten), also LCP, INP und CLS am 75. Perzentil. Der Effekt ist im Vergleich zu Inhalt und Relevanz klein, wirkt aber als Entscheider zwischen sonst gleichwertigen Seiten — und schlechte Werte kosten spürbar Conversions, unabhängig vom Ranking.
Warum schwankt mein Leistungswert zwischen zwei Messungen?
Weil die Labormessung von Netzverfügbarkeit, Serverantwortzeit und der Auslastung der Testinfrastruktur abhängt — Google weist selbst darauf hin, dass der Wert ohne jede Änderung an der Seite variieren kann. Aussagekräftig ist der Mittelwert mehrerer Messungen, nicht ein einzelner Lauf. Für Entscheidungen zählen ohnehin die Felddaten über 28 Tage.
Muss ich WebMCP einbauen, um die Prüfung „Agentisches Browsing“ zu bestehen?
Nein. WebMCP ist ein vorgeschlagener Standard, mit dem eine Website ihre Funktionen — etwa eine Terminbuchung — als Werkzeuge für KI-Agenten anmeldet. Die Prüfung ist experimentell, setzt eine Registrierung im Origin Trial voraus und fließt in PageSpeed Insights standardmäßig nicht in das Verhältnis ein. Eine Website ohne WebMCP erreicht mit sauberem Accessibility-Tree, stabilem Layout und einer llms.txt trotzdem 3/3.
Reicht eine llms.txt, damit ChatGPT meine Website kennt?
Nein. Die llms.txt ist ein Orientierungssignal, das laut Google weder Rankings noch AI Overviews beeinflusst, und viele KI-Systeme werten sie bislang gar nicht aus. Ob ein Unternehmen in KI-Antworten vorkommt, entscheiden vor allem zitierfähige Inhalte, Erwähnungen außerhalb der eigenen Website und konsistente Unternehmensdaten. Die Datei ist in fünf Minuten erstellt und schadet nicht — sie ersetzt aber keine dieser Grundlagen.
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